Das neue Release von Dynamics NAV, die Version 2009, kommt wie von dem Softwarekonzern versprochen , Ende dieses Jahres. Die ERP-Suite wird ab dem 1. Dezember 2008 in Deutschland verfügbar sein. „SAP versteht Geschäftskunden gut, und Apple Endkunden – Microsoft beide“, erklärt Kirill Tatarinov, weltweit verantwortlich für die Microsoft Business Solutions. Microsoft werde diesem Anspruch auch in der neuen Version...
... gerecht. Dynamics NAV 2009 löse die herkömmliche Arbeitsweise eines Anwenders durch eine neue Oberfläche ab. 21 so genannte Rollenzentren versorgen den Angaben zufolge den Mitarbeiter mit Daten, Werkzeugen und aufgabenrelevanten Funktionen, auf die er über eine einzige Oberfläche Zugriff habe. Diese 21 Zentren entsprechen laut Hersteller den wichtigsten Jobfunktionen innerhalb eines klassischen mittelständischen Betriebs. Ein Rollenzentrum priorisiere dabei seine tägliche Aufgaben an Hand seiner Funktion im Betrieb. Es diene auch dazu, neue Ansichten, beispielsweise branchenspezifische oder benutzerdefinierte Arbeitsoberflächen, zu erstellen.
Rollenbasiertes Beispiel: der Einkäufer
Der Einkauf ist im Wesentlichen für die Beschaffung sämtlicher Materialien und Artikel zuständig vom Bürobedarf bis hin zu Lagerartikeln. Sein Ziel ist es, die von den jeweiligen Abteilungen benötigten Artikel kostengünstig in einem qualitativ hochwertigen Zustand zum gewünschten Termin zu erhalten. Typische Aufgaben eines Einkäufers sind dabei das Einholen interner und externer Angebote, Erstellen von Einkaufsbestellungen, Auffüllen des Lagerbestands sowie Überprüfen von Lieferscheinen, Einkaufsbestätigungen und Teillieferungen. Microsoft Dynamics NAV 2009 biete hier ein Rollenzentrum, das dem Mitarbeiter alle relevanten Daten in einer Ansicht per Knopfdruck zur Verfügung stellt. Über dieses Zentrum erhalte er unter anderem einen Überblick über anstehende und fällige Bestellungen sowie Rahmenbestellungen, Einkaufsanfragen, Einkaufsreklamationen und -gutschriften oder buchhalterisch relevante Vorgänge wie eine Kreditorenübersicht, fällige Einkaufsrechnungen sowie Buchungsblätter und Analyseberichte. Die Suche nach Informationen entfalle ebenso, wie mögliche Inkonsistenzen bei der Verarbeitung komplexer Einkaufsprozesse.
Erweiterte Business Intelligence-Funktionalität
Ein zweiter Bereich in Microsoft Dynamics NAV, der in der jüngsten Version erweitert wurde, betrifft die Analysefunktionen der Unternehmenssoftware. Dynamics NAV 2009 biete nun BI-Funktionen (Business Intelligence), die dem Anwender einen Einblick in die gespeicherten Daten geben und helfen, Trends in der geschäftlichen Entwicklung zu identifizieren. Diese BI-Funktionen unterstützen laut Microsoft Firmenleiter bei der Entwicklung von Berichten und Simulationen, bei der Überwachung von Projektfortschritten oder bei der Kontrolle von Schlüsselindikatoren des Unternehmens.
Microsoft Dynamics NAV 2009 unterstütze dabei Business Intelligence-Funktionen, wie die SQL Server Reporting Services und SQL Server Analysis Services. Mit dem Report Builder in Microsoft SQL Server Reporting Services, der bereits in Microsoft Dynamics NAV 2009 integriert ist, könnten Anwender intuitiv Berichte erstellen und diese im PDF-Format anderen zur Verfügung stellen.
Webservices integrieren Drittlösungen
Die in Microsoft Dynamics NAV zugrunde liegende 3-Schichten-Architektur biete Anwendern eine Infrastruktur, um bei fortlaufendem Betrieb der Geschäftsprozesse ihrer Kunden, Anpassungen an der Lösung vorzunehmen sowie neue Funktionalitäten oder neue Benutzer hinzuzufügen. Einen Beitrag hierzu leisten den Angaben zufolge die in Microsoft Dynamics NAV 2009 verfügbaren Webservices. Sie ermöglichen laut dem Softwarekonzern den Zugriff auf Daten und Geschäftslogik von anderen Lösungen aus und unterstützen somit den Informationsaustausch sowie die Integration in andere IT-Systeme. Microsoft Dynamics NAV 2009 basiert auf Microsoft .NET Framework. Dies helfe, zusätzliche .NET-Anwendungen schnell zu entwickeln und zu integrieren. Firmen, die beispielsweise Call-Center-Funktionalitäten für Telemarketing in ihrem Betrieb einführen möchten, können eine Webservice-Applikation nutzen, um Kunden Zugriff auf die in Dynamics NAV 2009 gespeicherten Daten zu gestatten. Dies kann beispielsweise im Kundenmanagement für den Aufbau von Kundenportalen genutzt werden.
Einschätzung von Christian Hestermann, Research Director beim Analystenhaus Gartner
IT-Entscheider, deren Unternehmen bisher mit Eigenentwicklungen oder älteren ERP-Systemen gearbeitet haben, sollten laut Christian Hestermann, Research Director beim Analystenhaus Gartner, Dynamics NAV 2009 in ihre Lösungsauswahl einbeziehen - vorausgesetzt, dass ein Microsoft-Dynamics-Partner die vom Kunden benötigte Branchenlösung auf die neue Software-Architektur anhebt. Der Gartner-Analyst rät aber jedem Kunden, Dynamics NAV mit der Implementierungs-Methodologie Sure Steps von Microsoft einzuführen, und bei der Partner- und Lösungswahl auf die Zertifizierung "Certified for Microsoft Dynamics" zu achten. Letztere stellt hohe Anforderungen an die Codequalität der Lösung des Dynamics-Partners, an die Qualifikation seiner Mitarbeiter und erfordert eine Mindestanzahl von Projekten. "Ein komplexes Projekt ohne diese Partnerzertifizierung würde ich niemandem mehr empfehlen", betont Hestermann. IT-Verantwortliche sollten auch bedenken, dass Microsoft als weltweit größter Softwarehersteller zwar hohe Investitionssicherheit bietet, für die auf Dynamics-NAV-basierenden Branchenlösungen kleinerer Dynamics-Partner gelte das aber nicht im selben Maße.
Die durchschnittliche Zahl der Anwender liegt bei Dynamics-NAV-Installationen laut Hestermann bei circa 25. "In vielen Unternehmen arbeiten daher oft nur 10 bis 15 Benutzer mit der Software", erklärt der Gartner-Analyst. IT-Entscheidern in Unternehmen dieser Größe empfiehlt Hestermann daher, auch die Lösungen wie die Office Line von Sage, Infor ERP COM oder iscala von Epicor in die Software-Auswahl zu nehmen. Business One von SAP decke ebenfalls die Anforderungen dieser Unternehmen ab, sei aber von den Gesamtkosten für das Projekt meist deutlich teurer. "Vor allem die Beratertage schlagen hier zu Buche", begründet Hestermann.
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