„Der Mittelstand braucht keine goldenen Wasserhähne“, zitiert der neue Vorstandsvorsitzende bei SoftM, Franz Wiesholler, den Semiramis-Gründer Reinhold Karner. Gemeint habe der nach der Semiramis-Insolvenz als Vertriebspartner für die java-basierte ERP-Suite tätige Karner damit, dass mittelständische Unternehmen sich teilweise an die in der Software hinterlegten Prozesse anpassen können. Diese Positionierung…
… hat der neue SoftM-Vorstandschef nun nach justiert (siehe Abbildung oben). Wiesholler will künftig für Semiramis die funktionale Abdeckung innerhalb der einzelnen Branchen aber auch die Anzahl der adressierten Branchen insgesamt vergrößern. Während Branchen wie Finanzdienstleister, also Versicherungen und Banken, nicht die erste Priorität haben, visiert der 47jährige beispielsweise Variantenfertiger und die Automobilindustrie einschließlich deren Zulieferer an. Der Diplom Mathematiker rechnet dabei vor allem mit unabhängigen Softwarehäusern, so genannten ISVs, die künftig anstatt alles selbst zu entwickeln, Semiramis als Basis nutzen sollen.
SoftM umwirbt Nischenanbieter
Diese Spezies ist zwar vor allem in Deutschland zahlreich vertreten, aber um diese Nischenanbieter buhlen auch die großen SoftM-Konkurrenten Microsoft und SAP. Der für Vertrieb und Marketing zuständige SoftM-Vorstand Ralf Gärtner grenzt Semiramis aber vor allem gegen die Dynamics-Produktlinien von Microsoft klar ab: „Wer ein freies und offenes System möchte, wird sich gegen Microsoft entscheiden." Gärtner weiß aber auch, dass SoftM schnell eine größere installierte Basis erzielen muss, um Größenvorteile, die so genannten Economies of Scale, bei der Software-Entwicklung nutzen zu können.
Installierte Basis ist noch niedrig
Derzeit kann Semiramis etwas über 200 Kunden vorweisen, von denen der größte Teil Kunden von Partnern wie die von Semiramis-Gründer Karner geführte KTW sind. Der Lizenzumsatz für Semiramis betrug von 2003 bis 2006 gerade mal 13 Millionen Euro. Die Entwicklungskosten für die ERP-Suite schätzen Branchenkenner auf mindestens das dreifache. SoftM bezahlte allerdings Ende vergangenen Jahres nur einen höheren einstelligen Millionenbetrag für die Lizenzrechte. Der derzeit schärfste SoftM-Wettbewerber Microsoft erwirtschaftete alleine im Geschäftsjahr 2005/06 mit seinen Dynamics-Produktlinien wie MS CRM, AX, NAV 1000 Millionen Dollar Umsatz. Alleine das den unteren Mittelstand adressierende Dynamics NAV weist weltweit 57000 Installationen vor, bei Dynamics AX sind es rund 8000.
Semiramis-Wachstum liegt noch im zweistelligen Bereich
Angesicht dieser Zahlen klingt auch das anvisierte Wachstum von SoftM bescheiden. Im laufenden Geschäftsjahr 07/08 wollen die Münchner 50 Neuabschlüsse für Semiramis unter Dach und Fach bringen. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftjahres habe das Software- und Beratungshaus etwa 15 bis 20 neue Kunden gewinnen können.Im nächsten Geschäftsjahr wird Semiramis daher deutlich zulegen müssen, damit die umworbenen ISVs und potenzielle Kunden Vertrauen in Semiramis als Basis-System finden. International setzt SoftM seine Hoffnungen vor allem auf Länder in Osteuropa wie Tschechien und Polen.
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