Am morgigen Dienstag will SAP zusammen mit dem Business One Partner CIB Computer im Rahmen einer Live-Implementierung im Berliner Messezentrum beweisen, dass sich das ERP-Päckchen für den unteren Mittelstand der Walldorfer innerhalb von…
…48 Stunden installieren und anpassen lässt. Auf der Web-site von SAP räumt der Software-Hersteller allerdings selbst ein, dass die Installation von Business One (SBO) zwar nur wenige Minuten benötigt, die vollständige Einführung inklusive Übernahme der Altdaten aber nur innerhalb weniger Tage bis wenigen Wochen über die Bühne gehen kann. Wenige Tage, können im besten Fall zwei sein. Kenner der Szene berichten aber davon, dass das Minimum für eine SBO-Implementierung bei zehn Tagen liegt.
Mangelnde Transparenz kann man SAP für ihre Beweisführung bislang jedoch nicht vorwerfen. Das Anforderungsprofil (siehe Textende) des Kunden Nostalgic Art, dessen Erstellung nach Erfahrungswerten für einen Anwender dieser Größe etwa sechs Stunden beträgt, liegt erpheins.de bereits vor. Sachkundige Kommentare zur Aufgabenstellung sind selbstverständlich erwünscht.
Die eigentliche Frage ist aber: warum macht SAP das? Wollen sich die Walldorfer gegen Konkurrenten wie die Microsoft Business Solutions und deren ERP-Paket Navision positionieren, spielen anderer Kriterien wie beispielsweise Stücklistentiefe oder funktionale Branchenabdeckung eine weit wichtigere Rolle als eine Implementierung in Rekordzeit. Hier wäre ein neuer Show-down mit dem Erzrivalen weit aussagekräftiger.
Warum also ein zeitbezogener Test? Zeit ist Geld! Und zwar vor allem für Klein- und Kleinstbetriebe, die einfach zu installierende und anpassbare Low-end-Produkte nutzen ohne Unsummen für Berater- und Systemintegratoren auszugeben. Nostalgic Art setzte bisher den PC Kaufmann von Sage Deutschland ein. Mit diesem Software-Paket adressieren die Frankfurter Klein- und Kleinstbetriebe zu einem Preis von deutlich unter 1000 Euro. Gut, laut Anforderungsprofil ist das Altsystem funktional zu klein und insbesondere die CRM-Funktionalitäten sind nicht ausreichend. Aber reicht das als Begründung, um auf ein Produkt wie SBO umzusteigen, das immerhin pro Anwender deutlich mehr als doppelt soviel kostet? Warum hat sich Nostalgic Art beispielsweise nicht für die Office-Line von Sage entschieden?
Was also will SAP beweisen? Dass sich Business One auch für Unternehmen eignet, die eigentlich nicht wirklich zur bisher definierten Zielgruppe gehören. Warum sollte SAP das tun? Gerüchten zu Folge gibt es in Walldorf Überlegungen, das in C++ programmierte und damit artfremde SBO künftig im Low-end-Markt zu positionieren. Gleichzeitig könnte der Software-Riese von seinem Mysap-Derivat All-in-one, das bisher den gehobenen Mittelstand adressiert, eine Light-Version mit geringerer Funktionstiefe erstellen, und diese dann dem bislang mit mäßigen Erfolg adressierten unteren Mittelstand anstelle von Business One anbieten. Microsoft zeigt mit Navision für kleine Unternehmen, dass dieses Konzept durchaus Erfolg verspricht.
Ein solches Konzept würde es SAP ermöglichen, einerseits mit SBO ein konkurrenzfähiges Produkt im Volumengeschäft für den Soho-Markt zu offerieren - vorausgesetzt der Preis sinkt – und andererseits mit einem AIO-Light ein Paket für den unteren Mittelstand anbieten zu können, das die Konkurrenz von Navision nicht mehr fürchten müsste. Zudem könnte SAP im Mittelstand und im Enterprise-Markt drei Produktlinien anbieten, die auf derselben Code-Basis basieren und damit sowohl für die Business Process Platform als auch für die Office-Integration Mendocino ohne Schwierigkeiten verfügbar wären. Aber wie gesagt: Alles Gerüchte. Daher gilt auch hier für mich wie morgen für SAP: Was noch zu beweisen wäre:-)
Anforderungsprofil Nostalgic Art
1. Allgemeine Angaben zum Implementierungskunde:
1.1. Firma Nostalgic Art Merchandising GmbH
Saalmannstr. 7-9
13403 Berlin
1.2. Ansprechpartner Herr Weyland – inhaltlich
Herr Rothe – technisch
1.3.Firmengegenstand Handel mit nostalgischen Produkten
1.4. Anzahl Kunden ca. 1.000 weltweit
1.5. Anzahl Lieferanten ca. 50 weltweit
1.6. Anzahl Interessenten ca. 2.000 weltweit
1.7. Anzahl Artikel ca. 1.500 wachsend
1.8. Altsystem Sage KHK PC-Kaufmann
funktional zu klein, insbesondere CRM-Funktionalitäten nicht ausreichend
2. Systemvoraussetzungen
2.1. Netzwerk Windows2000 vorhanden, jedoch keine Domäne;
Domänecontroller wird installiert und ein neuer MS Server 2003 Small Business wird integriert; erfolgt in Eigenregie nach Abstimmung mit SAP
2.2. Hardware vorhandene Hardware muss teilweise erneuert werden
erfolgt in eigener Regie entsprechend Vorgaben durch SAP
2.3. Datenbank Microsoft SQL-Server 2000 (bisher nicht vorhanden)
3. allgemeine Projektdaten
3.1. Projektumfang 5 Professional User
3.2. Hauptprozesse Ein- und Verkauf. Besonders wichtig sind die Verkaufsseite und das Kundenbeziehungsmanagement. Alle wichtigen Informationen sollen mit wenigen Mouseklicks verfügbar sein. Dazu gehören: Welchen Umsatz hat der Kunde bisher gemacht? Wann hat wer was mit dem Kunden besprochen? Welche Faxe, E-Mails und Briefe hat er bekommen? Wie ist sein Zahlverhalten. Outlook- und Telefonieintegration soll erfolgen? Elegantes Handling von Freitexten in Verkaufs- und Einkaufsbelegen ist wichtig. Es sollen Serienbriefe und Serienmails möglich sein, die mit dem jeweiligen
Geschäftspartner automatisch verknüpft sein sollen. Interessenten sollen mit Historien verwaltet werden können. Die Voraussetzungen für eine spätere Anbindung des Webshops auf XML-Basis soll vorhanden sein.
4. Implementierungsanforderungen
4.1. Administration spezifische Rechteverteilung notwendig
Alarmfunktionen und Genehmigungsverfahren einrichten
Testmandanten für Probezwecke installieren
keine kontinuierliche Bestandsführung
Preisfindung festlegen
Keine Budgetierung
Vordefinierte Texte festlegen
Servicemanager und Backup einrichten
4.2. Finanzwesen SKR04, Abschlüsse beim Steuerberater
Kontenplan anpassen
OP-Buchhaltung im Haus
Hauptwährung EUR
eine Buchungsperiode
Buchungsvorlagen erstellen
Mahnwesen einrichten
Kostenstellen anlegen
Saldenvorträge werden nach 01.07.2005 gebucht
4.3. Opportunities Standardeinrichtung
Verkaufsstufen definieren
Hauptpartner/Hauptmitbewerber eintragen
4.4. Verkauf Belege mit ALD an Kunden-CI anpassen
geschlossene Angebote übernehmen
Aufträge nach Hinzufügen änderbar
Lieferbedingungen festlegen
Mengenprüfung einrichten
Maskenanpassung
4.5. Einkauf Belege mit ALD an Kunden CI anpassen
Bestellungen teilbar
Maskenanpassung
einige Eingangsrechungen in USD
4.6. Geschäftspartner Kreditlimitüberwachung gewünscht
Kundengruppen festlegen
Aktivitäten einrichten
Zahlungsbedingungen definieren
4.7. Bankenabwicklung Standardeinrichtung
4.8. Lagerverwaltung spezifische Felder anlegen
Artikelgruppen definieren
Preislisten festlegen
4.9. Montage Stücklisten definieren (Verkaufsstücklisten)
4.10.Materialbedarfpl. Bestellszenario einrichten
4.11. Service Serviceabrufe definieren
z.Z. keine Lösungsdatenbank
4.12. Personal Mitarbeiterstammdaten eintragen
4.13. Berichtswesen kundenspezifische Reports einrichten
5. Datenmigration
5.1. Stammdaten Geschäftspartner Adressen
Geschäftspartner Ansprechpartner
Artikel
Preislisten
Stücklisten
5.2. Bewegungsdaten keine Übernahme
Umsätze nur als summierte Werte auf Jahresbasis
6. Zusatzmodule
6.1. Add-On Outlook-Integration
Advanced Layout Designer
DATEV
ELSTER
Payment-Engine
XL-Reporter
6.2. Erweiterung (CIB) TAPI-Anbindung
CRM/Vertriebs-Erweiterungen
7. Schulung
7.1. Grundschulung zum Handling allgemein bei CIB
7.2. spezif. Schulung Rollenspezifische Schulung vor Ort
7.3. Administrator Schulung bei CIB
very nice post!!!
Thanks
Kommentiert von: dancadosiri22 | 20. April 09 um 12:02