Der Markt für Hersteller von Unternehmens-Software konsolidiert sich weiter. Neben SAP und Oracle hat vor allem die ehemalige Agilisys und jetzige Infor Business Solutions Appetit auf weitere Zukäufe. Sehen Sie SoftM als Übernahmekandidat?
Eindeutig nein, im Gegenteil. Wenn Sie unsere Entwicklung in den letzten Jahren ansehen, gehören wir zu denjenigen, die den Konzentrationsprozess aktiv mitgestalten, also selbst kaufen. Ich erinnere da an die DKS Finanzbuchaltung oder die Update Systemintegration GmbH & Co. KG .
Die SoftM-Suite unterstützt auf Server-Seite 0S/400, Windows und künftig auch Linux. Wie viele Installationen entfallen auf die jeweilige Plattform?
Wir sind seit 1973 als Softwarehaus tätig und kommen traditionell von der OS/400-Seite. Das ist natürlich nach wie vor unser Hauptgeschäft. Mit der Windows-Plattform sind wir seit 2004 aktiv im Vertrieb. Von dem Neukundengeschäft im vergangen Jahr entfallen rund 20 Prozent auf Windows. Gleichwohl sind dort die Umsätze noch geringer als auf IBMs Midrange Server i5. Linux haben wir im letzten Jahr für die SoftM-Suite in der Redhat- und der Suse-Edition angekündigt. Das Produkt ist lauffähig und wir wollen erste Beta-Installationen durchführen, eine Vertriebsfreigabe geben wir derzeit für Linux noch nicht.
Wann soll diese erfolgen?
Wir planen sie noch für 2005, wollen aber erst noch die Beta-Einsätze abwarten. Der Markt hat uns gelehrt, dass die Nachfrage nach Linux nicht ganz so groß ist, wie wir sie erwartet haben. Während wir für Windows keine Probleme hatten Beta-Anwender zu finden, ist es bei Linux etwas verhaltener. Das ist aber nur eine Frage der Zeit.
Welche strategische Rolle spielt Linux für SoftM?
Eine ganz große. Wir sehen eindeutig einen Trend hinzu Linux. Wir gehen davon aus, dass wir im Mittelstand auf Sicht, also die nächsten fünf bis sieben Jahre, drei strategische Plattformen haben werden. Das sind OS/400 in ihrer Nische, die nicht groß wachsen aber auch nicht schrumpfen wird, Windows und Linux. Unix verliert eindeutig massiv Marktanteile zu Gunsten von Linux. Eine Strategie ohne Linux ist deshalb für uns nicht denkbar.
Die SoftM-Suite unterstützt aber eben auch Windows. Ist das Microsoft Business Framework ein Thema für SoftM?
Auf der Client-Seite arbeiten wir schon immer mit Microsoft zusammen. Auf der Server-Seite haben wir hingegen nicht vor, uns von Microsoft abhängig zu machen.
Warum haben Sie Bedenken?
Wir sind in einer offenen Welt und wollen das auch bleiben. Auf Sicht wird es schwierig sein für ein Softwarehaus, eine Technologie von einem Hersteller zu verwenden, der ebenfalls sehr große Ambitionen im Anwendungsgeschäft hegt.
SAP und Microsoft positionieren sich neben ihrem Anwendungsgeschäft jetzt auch als Plattformanbieter für Web-Services. Die Frage zu Microsoft haben Sie beantwortet. SAP initiiert ein ISV-Programm für ihre Business Process Plattform. Wäre das ein Thema für SoftM?
Wir sind im Mittelstand tätig und unser Hauptwettbewerber dort ist SAP mit All-in-one. Wir werden deshalb sicherlich keine Allianz mit SAP eingehen.
SoftM ist auch im Hardware- beziehungsweise Systemintegrationsgeschäft tätig. Wie verhalten sich die Umsatzanteile im Verhältnis zum Lizenzgeschäft?
Traditionell beträgt der Systemintegrationsanteil 30 bis 40 Prozent und Software und Services knapp 60 Prozent. In diesem Jahr ist der Systemintegrationsanteil deutlich höher, er liegt bei fast 60 Prozent. Das ist aber ein Einmaleffekt, der durch die Übernahme der Update Systemintegration zustande kommt. Die Übernahme erfolgte, weil unser eigner Bereich Systemintegration sehr stark auf i5 spezialisiert ist. Da wir mit der SoftM-Suite jetzt aber auch Windows und künftig Linux unterstützen, benötigten wir auch für diese Plattformen Know-how. Die Firma Update ist genau dort sehr stark, also auf der X-Series und P-Series von IBM.
SoftM kooperiert seit 2003 mit T-Systems. Wie hat sich dieses Geschäft entwickelt?
Das hängt von der Erwartungshaltung ab. Wir hatten eine relativ bescheidene. Für uns ist T-Systems wichtig, um unsere internationale Präsenz zu vergrößern, beispielsweise in Ungarn, wo SoftM selbst nicht vertreten ist. Das Jahr 2004 hat in der Zusammenarbeit mit T-Systems den Verlauf genommen, den wir uns gewünscht haben.
T-Systems verfügt auch über große Kapazitäten an Rechnungszentren. Es zeichnet sich derzeit wieder ein Trend zu gehosteten Lösungen ab. Ist das auch eine Option für SoftM?
Wenn Sie ASP (Application Service Providing) im Sinne von Outsourcing meinen, bin ich bei Ihnen, sonst nicht. Im Mittelstand sehen wir einen Trend dahingehend, die komplette IT eines Unternehmens einschließlich Netzwerk, Soft- und Hardware auszulagern. Stand heute haben wir eine Reihe von Installationen, die wir in unserem Rechenzentrum in Stuttgart betreuen. Wir haben uns aber noch nicht endgültig positioniert. Ob wir selber mit Rechenzentren tätig werden oder eine sehr enge Kooperation mit einem der großen Anbieter eingehen, IBM wäre da aufgrund unserer Geschäftsbeziehungen sehr nahe liegend, ist eine Entscheidung, die noch ansteht.
Kommentare