Microsoft und SAP drängen mit ihrer Anwendungs-Software in den Mittelstand. Wie sehen Sie ihre Zukunft mit ihrem ERP-Produkt in diesem Markt?
Woran machen Sie das Drängen der beiden fest?
Microsoft hat nach eigenen Angaben im letzten Jahr 1.000 neue Navision- und 100 neue Axapta-Kunden in Deutschland gewonnen. SAP kann hier zu Lande für Business One (SBO) rund 700 Installationen vorweisen. Ich denke schon, dass damit der Druck auf kleinere Softwarehäuser in Deutschland steigt.
Zu SAP und SBO kann ich nichts sagen, weil wir im Markt nicht auf diese ERP-Software treffen. In Bezug auf Navision bezweifle ich die Zahlen. Seit der Übernahme von Navision durch Microsoft ist unsere Wettbewerbssituation mit diesem Produkt deutlich rückläufig. Mag sein, dass sie das unterste Segment erreichen. Im gehobenen Mittelstand gibt es einige Axapt-Projekte. Die Software hat eine gute Entwicklungsumgebung, aber man muss wissen, ob man eine Entwicklungsumgebung oder ein ERP-System möchte. Dem Produkt mangelt es bis heute massiv an Funktionen.
Microsoft hat eine ISV-Initiative (Independent Software Vendor) für Axapta angekündigt, um diesen Mangel zu beheben. 14 Anwendungen von ISVs sollen in die ERP-Suite eingebunden und dann vor VARs weiter an Branchen angepasst werden. Wäre das auch ein Szenario für Godesys?
Die Entscheidung kann ich heute nicht treffen und sie steht auch nicht an. Es ist aber eine Frage der Wertschöpfung. In dem Moment wo wir erkennen, dass es für uns sinnvoller wäre, Teile zu zukaufen, als sie selber zu entwickeln, wäre ich dumm, wenn ich es nicht machen würde. Stand heute kann ich das nicht erkennen. Heute habe ich den Vorteil, dass ich mit eigener Leistung überzeugen kann und nicht auf Microsoft angewiesen bin.
Godesys setzt von der Plattformseite auf J2EE und nicht auf .Net. Wird es Godesys-Software auch auf Basis des Microsoft Business Framework geben?
Nach heutiger Sicht nicht. Ich habe bis dato noch nicht verstanden, was das eigentlich sein soll. Wenn man etwas verkaufen will, sollte man von Power-Point-Präsentationen auch mal zur Realität kommen. Wenn es einen erkennbaren Vorteil böte, würden wir uns das überlegen.
Investitionssicherheit spielt bei der Kaufentscheidung eines Kunden eine wichtige Rolle. Welche Sicherheit bieten Sie ihren Interessenten?
Wenn man die großen Hersteller mit den kleinen vergleicht, muss man auch deren Anzahl an Produktlinien berücksichtigen. Godesys hat nur ein Produkt, um das ich mich kümmern muss. Wenn Sie gerade wieder den Richtungswechsel von Microsoft in ihrer Green-Strategie betrachten, dann glaube ich, dass Godesys-Kunden in den letzten zwölf Jahren einen sicheren Hafen hatten. Entscheidend wird sein, mit welchen Tools Software entwickelt wird, und wie offen diese Entwicklungswerkzeuge sind. Wenn ich an die von uns verfolgte Strategie mit J2EE und Eclipse denke, bin ich überzeugt, dass wir unseren Kunden eine investitionssichere Zukunft bieten können.
CRM- und ERP-Software verschmelzen immer mehr zu einer Lösung. Was bietet Godesys im CRM-Bereich an?
Ich bin ein starker Verfechter integrierter Lösungen. Dreiviertel aller Daten, die im CRM-Prozess eingesetzt werden, stammen aus ERP-Systemen. Wir haben beispielsweise Service-Funktionen schon seit 1995 im Programm. Auf der Cebit stellen wir ein CRM-Scorecard vor.
Godesy firmiert seit rund einem Jahr auch als Aktiengesellschaft. Planen Sie einen Börsengang mit Godesys?
Nein, den wird es auch nicht geben.
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